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Die Erklärung kam überraschend: Der Bundesbankpräsident, der  auch als Nachfolger des EZB- Präsidenten Trichet gehandelt wurde,  hört am 30. April auf – „aus persönlichen Gründen“. In den Medien wird spekuliert, worin die Gründe liegen. So schreibt die FAZ:

Ist Axel Weber ein zweiter Horst Köhler, der unter der Bürde des Amtes die Nerven verlor? Oder ein kühl kalkulierender Karrierist, der Nachfolger von Josef Ackermann bei der Deutschen Bank werden will, und längst ein Millionengehalt statt des Notenbanker-Salärs sicher hat? Die Wirklichkeit ist wohl simpler: Weber hat zuletzt keine Chance mehr gesehen, in Würde Präsident der EZB zu werden – und zog die Konsequenzen.

Mit solchen Begründungen scheint mir der eigentliche Hintergrund heruntergespielt zu werden. Denn zum einen hat sich Weber in der Vergangenheit recht deutlich positioniert, etwa zum Aufkauf von Anleihen der EU- Krisenländer durch die EZB. Zum anderen läßt seine aktuelle Begründung erkennen, daß es sich um handfeste inhaltliche Gründe handelt.

 

Erkennbar ist dies etwa in Äußerungen gegenüber dem Spiegel:

Dem Präsidenten komme eine Sonderstellung zu, sagte er dem SPIEGEL. „Wenn er jedoch zu wichtigen Fragen eine Minderheitsmeinung vertritt, leidet die Glaubwürdigkeit dieses Amts.“ Er habe bei einigen wichtigen Entscheidungen in den vergangenen zwölf Monaten klare Positionen bezogen. „Die Positionen mögen für die Akzeptanz meiner Person bei einigen Regierungen nicht immer förderlich gewesen sein“, so Weber. Seither sei seine Überzeugung gereift, dass er das Amt des EZB-Präsidenten nicht anstrebe.

Meine These: In der EU und der EZB werden derzeit die Weichen für eine Aufweichung der Währungspolitik gestellt. Ursprünglich wurde uns verkauft, die EZB sei nach dem Vorbild der Bundesbank konstruiert und habe als einziges Ziel die Geldwertstabilität.

Dagegen scheinen einige Krisenländer den Wunsch zu haben, sich über niedrig gehaltene Zinsen und die folgende Inflation zu entschulden. Und auch große Länder wie Frankreich stehen nicht für die Tradition einer unabhängigen Zentralbank sondern  für fallweise Eingriffe.

Wollte Weber, intellektuell wie finanziell unabhängig, es vielleicht einfach vermeiden, als Symbolfigur  für Geldwertstabilität eingesetzt zu werden und tatsächlich Entscheidungen in die entgegengesetzte Richtung treffen zu müssen?

Das bisherige Inflationsziel der EZB von unter, aber nahe bei zwei Prozent wird wohl nur noch auf dem Papier bestehen bleiben…

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